Forum Arbeitswelten: Alle Beiträge aus China März 2009 bis März 2010
Der Kern des Teilprojekts Infoexchange innerhalb des Forums Arbeitswelten: Artikel aus beiden Ländern, die von den jeweiligen AktivistInnen zur Übersetzung vorgeschlagen wurden - hier die Artikel aus der VR China - das jeweils neueste Update ist auf der Eingangsseite dieser Webseite.
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China verändert sich - die Gewerkschaften und die Gewerkschaftsgesetze auch
Der Beitrag "Geschichte, aktuelle Situation und Probleme der chinesischen Gewerkschaften"
von Huang Ai wird hier in Auszügen übersetzt - die Teile 2 und 4 des
sehr ausführlichen Beitrags fand die Redaktion Infoexchange die für
LeserInnen in der BRD interessantesten Textteile. Sie umfassen eine
weitgehend chronologische Darstellung der Entwicklung von
Gewerkschaften und Gewerkschaftsgesetzen in der VR China bis 1998 und
im zweiten Teil theoretische Probleme der Gewerkschaftsgesetze. Der
Autor geht dabei vom Standpunkt aus, die marktwirtschaftlichen Reformen
der letzten 30 Jahre positiv zu sehen - und leitet daraus die
Notwendigkeit funktionierender Gewerkschaften und eines gesetzlich
verbrieften Streikrechts ab.
Wanderarbeiter NGOs im Perlflußdelta - eine inzwischen langjährige Organisationsform wird analysiert...
..in dem Beitrag "Der kontinuierliche Kampf um einen Existenzraum: Die Entwicklung von Wanderarbeiter-NGOs im Perlflussdelta"
von Chris Chan (City University of Hongkong, Fakultät für angewandte
Sozialwissenschaften, übersetzt von Kimiko Suda) - die zum Artikel
ausgebaute Version eines Vortrags, den er im November 2009 für eine
Besuchergruppe deutscher GewerkschaftsaktivistInnen hielt. Im Vorspann
des Beitrags wird diese Arbeit folgendermaßen begründet: "Im
Verlauf der 30 Jahre integrierte sich China zunehmend in den globalen
Kapitalismus. Die Reformen begannen mit einer Transformation der
Arbeitsbeziehungen im Bereich der Produktion und damit gingen auch
Veränderungen der Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft einher,
man könnte auch sagen, das Modell der Organisierung der Gesellschaft
veränderte sich. 1978 existierten bereits von der Regierung unabhängige
wirtschaftliche und soziale Organisationen, sie waren jedoch noch sehr
schwach und großem Druck ausgesetzt. Parallel zum Entwicklungsprozess
Chinas hin zu einer Marktwirtschaft, suchten die von der Regierung
unabhängigen sozialen Organisationen (NGOs) unter schwierigen
Bedingungen nach einem Freiraum, in dem sie existieren konnten. Vor
diesem Hintergrund entstanden seit der Mitte der 1990er Jahre im
Perlflussdelta in der südchinesischen Provinz Guangdong soziale
Organisationen, die spezialisiert darauf sind, Arbeitsmigranten [in der
Regel aus den ländlichen Regionen Chinas] zu unterstützen, und von uns
als Wanderarbeiter-NGOs bezeichnet werden. Diese NGOs im Perlflussdelta
sind zweifelsohne ein Produkt der politischen und wirtschaftlichen
Reformen. Ihre politische und soziale Funktion und die Einschränkungen,
mit denen sie konfrontiert sind, kann man nur vor den
gesellschaftlichen und historischen Hintergründen [Chinas] verstehen".
Die gefährlichen NGO: Arbeiter Rechtshilfe im Visier
Ein Untersuchungsbericht
über die Aktivitäten der unabhängigen Rechtsberater in der Provinz
Guangdong vom Guangdong Provinzkomitee für Politik und Recht der KP
Chinas
(Januar 2009, aus dem Englischen übersetzt von Anne Scheidhauer). Vier
verschiedene Typen von "citizen legal agents" machten die Parteiorgane
aus - und alle, die irgendwie der Verknüpfung mit der Thematik
Menschenrechte verdächtig sind, sind eben dies: Verdächtig. Auch der
Generalknüppel aller Regimes, die Legitimationsprobleme haben, wird
dabei hervorgeholt - im Dienste ausländischer Kräfte...
Materialien über den Besuch chinesischer AktivistInnen in der BRD im Herbst 2009
Eine
größere Gruppe von BasisaktivistInnen aus der VR China war im
vergangenen Herbst zwei Wochen lang in der BRD: Besuche in diversen
Städten und Betrieben sowie Einrichtungen, Gespräche mit Betriebsräten,
GewerkschafterInnen und anderen sozial engagierten Menschen stnden
unter anderem auf dem Programm, darunter auch ein Wochenendseminar.
Zwei Dokumente, die einen Teil der Ergebnisse dieses Besuchs
wiedergeben veröffentlichen wir hiermit: Erstens den Bericht "Begegnungen
zwischen chinesischen und deutschen Sozialaktivisten zum Austausch von
Erfahrungen und Sichtweisen über ihre Lebens- und Arbeitswelten"
in dem es zu den Problemen des Austauschs etwa heisst: "Immer
wieder musste festgestellt werden, dass zu wenig Zeit war, um bei den
verschiedenen Themenbereichen in die Tiefe zu gehen. Besonders deutlich
wurde das auf der Begegnungstagung "Kapitalismus in der Krise - Wie
unterscheidet sich die in China und Deutschland?", als den chinesischen
Besuchern die Gelegenheit gegeben war Fragen darüber was sie nach ihrer
ersten Woche in Deutschland nicht verstanden haben an die 30 deutschen
TagungsteilnehmerInnen (siehe Liste im Anhang) zu stellen. Es waren
über 40 Fragen, wovon kurzfristig vor der Tagung von den Organisatoren
einige zusammengefasst und dann insgesamt 12 ausgewählt und den
Deutschen zur Beantwortung am darauf folgenden Tag vorgelegt wurden.
Zehn hatten es versucht in nur 5 Minuten jeweils ein Frage zu
beantworten. Einschließlich der (konsekutiven) Übersetzung dauerte es
knapp zwei Stunden, ohne die Möglichkeiten zu Nachfragen oder
Diskussion zu den Antworten (siehe Transkription). Das hat einige
Deutsche wie Chinesen frustriert, wollten sie doch tiefer auf die
Fragestellungen eingehen" - und eben die darin genannten Antworten von Teilnehmern aus der BRD werden in der Dokumentation "Antworten"
wiedergegeben - und zur Diskussion gestellt.
Die Auswirkungen des Endes des Multifaserabkommens für China und die BRD
Beim WoL-Projektpartner Südwind sind im Rahmen des WoL Projekts eigene Studien zur Entwicklung der Textilwirtschaft nach dem Ende des Multifaserabkommens publiziert.
Zu der Studie "Das Ende des WTO-Welttextilabkommens und seine Auswirkungen auf Deutschland / die EU"
von Ingeborg Wick vom September 2009 wurde am 01. März 2010 auf der Südwindseite publiziert, wo es zur Einführung heisst: "Trotz
massiver Auslagerungen von arbeitsintensiven Produktionsschritten in
Entwicklungsländer seit den 1970er Jahren ist die deutsche und
europäische Textil- und Bekleidungsindustrie ein bedeutender Akteur im
globalen Standortwettbewerb geblieben".
Die Paralellstudie "Was bedeutet das Ende des Multifaserabkommens für China? - Untersuchung und Monitoring der Auswirkungen"
des WoL-Projektpartners Globalization Monitor vom Februar 2010 wurde
ebenfalls am 01. März 2010 bei Südwind publiziert, und so eingeführt: "Im
Vorfeld des MFA (Multifaserabkommen)-Endes kursierte die Spekulation,
die Exporte aus China und Indien würden explodieren. Das werde einen
Handelsrückgang für kleinere Länder wie Bangladesch und Sri Lanka
bedeuten sowie niedrigere Preise für die Konsumenten und weitere
Arbeitsplatzverluste für die Beschäftigten in der Textil- und
Bekleidungsindustrie der entwickelten Länder".
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Das vierte Update des Projektes Arbeitswelten China - Deutschland (Worlds of Labour - WoL) vom Dezember 2009: "Jahrestage"
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Zum vierten Mal in diesem Jahr 2009 ein spezielles Updates des Projekts "Worlds of Labour" - Forum Arbeitswelten China-Deutschland. Und da 2009 das Jahr der runden Jahrestage ist - schliesslich wurden sowohl die BRD als auch die VRCh im Jahre 1949 gegründet, 1979 begannen in China die "großen Reformen" und beide erlebten 1989 mit dem sich anbahnenden Ende der DDR und den Massenprotesten in China heftige politische Ereignisse, die sich bis heute bemerkbar machen. Und während die Partnergruppierungen in China sich zwei Beiträge von ehemals linken DDR-Oppositionellen ausgesucht haben zur Übersetzung, kommen aus dem Chinesischen ein Interview und ein (gekürzter) Artikel von und mit Personen, die - unabhängig von ihren Positionen - in den Reihen der gesellschaftlichen Aktivisten einiges Interesse genießen.
"Chinas Transformation ist noch nicht beendet"
"Als
ehemalige Berater der Fernseh-Dokumentarserie “Das Klagelied des
Flusses” in den 1980er Jahren, sind Jin Guantao und Liu Qingfeng
prominente Figuren in der Ideengeschichte der Volksrepublik Chinas.
1984 publizierte das Ehepaar einen Essay mit dem Titel “Hochkonjunktur
und Krise”, mit der These, dass die Kontinuität des chinesischen
Feudalsystems auf einem extrem stabilen System beruhe, und dieses
System immer noch bestehe. Diese These erschütterte die
Intellektuellenkreise, führte zu einer starken Reaktion und einem
Überdenken der chinesischen Gesellschaftskultur. Die 1984 von Jin
Guantao herausgegebene Essaysammlung und Zeitschrift “In Richtung der
Zukunft”, und die Fernsehserie “Das Klagelied des Flusses”, für die er
als Berater tätig war, initiierten in Festlandchina lebhafte
Diskussionen. Er wurde damals als einer der vier wichtigsten
intellektuellen “Vorbilder für die Jugend” verehrt, die anderen drei
waren Fang Lizhi, Li Zehou and Wen Yuankai" - so werden in dem Interview "Chinas Transformation ist noch nicht beendet"
von Jiang Lifen die beiden Gesprächspartner Jin Guantao und Liu Qingfeng
eingeführt.
So neu ist das neue China nicht mehr...
"In
zwei Jahren, wird es 60 Jahre her sein, dass die Volksrepublik China
gegründet wurde, dieses Neue China gibt es also schon mehr als ein
halbes Jahrhundert. Ich bin der Ansicht, dass es gegenwärtig unbedingt
notwendig ist, den gesamten historischen Prozess, die gesamten 60 Jahre
zu betrachten, um die Reformen nach 1979 zu verstehen, und die Analyse
nicht nur auf die Periode der 30 Jahre „nach ´79“ zu beschränken. Wenn
man die Analyse der Reformen nur auf die drei Jahrzehnte „nach ´79“
beschränkt, durchtrennt man die historische Kontinuität der ersten 30
Jahre des Neuen Chinas (1949-1979) und der darauf folgenden dreißig
Jahre (1979 bis heute). Oft wird ein zu starker Fokus auf die letzte
der beiden Perioden gelegt" - so beginnt der Beitrag "Chinas Weg: 30 Jahre und 60 Jahre"
von Gan Yang (Hong Kong University, Asia Research Centre), der, wie
einfach zu berechnen ist, aus dem Jahr 2007 stammt, aber damals und bis
heute so viele Diskussionen zeitigte, dass die an dem Projekt Forum
Arbeitsweltel teilnehmenden chinesischen Gruppierungen ihn nach wie vor
für wert hielten, in der BRD zugänglich gemacht zu werden.
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Das dritte Update des Projektes Arbeitswelten China - Deutschland (Worlds of Labour - WoL) vom Juli 2009: Betrieblicher und gewerkschaftlicher Widerstand in China.
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- Widerstand: Aspekte betrieblicher und gewerkschaftlicher Entwicklungen
Vier Unternehmen - vier Hintergründe; vier Entwicklungen Die Unternehmen – und natürlich vor allem: Die Belegschaften – denen wir uns hier zuwenden, sind in voller Absicht jene, die in erster Linie durch die Berichterstattung unserer Projektpartner im Projekt Arbeitswelten China – Deutschland (aber auch durch die Arbeit anderer, ähnlich gelagerter Initiativen) einigermaßen ausführlich im Zentrum der Berichterstattung standen. Mehr noch: Nachdem wir seit Beginn des Jahres 2009, seitdem es diesen organisierten Austausch gibt, uns im wesentlichen mit der aktuellen Krise in beiden Ländern auseinandergesetzt haben und versucht haben, analytische Darstellungen der gesamten Entwicklung auszutauschen, haben wir vereinbart, diese dritte Folge des Austauschs etwas anders zu gestalten: Während die Partner in China Telefoninterviews mit bundesdeutschen Automobilarbeitern organisieren, fassen wir die betriebliche Berichterstattung anhand einiger längerer Auseinandersetzungen zusammen. Dabei geht es um Fragen wie Widerstand in transnationalen Konzernen, um die stets existenzielle Frage der Arbeitssicherheit und Gesundheit, um gewerkschaftliche Rechte - auf verschiedene Weise. Der Überblick "Betriebliche Kämpfe, gewerkschaftliche Entwicklungen – einige aktuelle Trends" vom 12. Juli 2009.
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Das zweite Update vom Mai 2009: Die "Charta 08"
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Das zweite Update des Projektes Arbeitswelten China - Deutschland (Worlds of Labour - WoL), hat zum Thema die Charta 2008 und die chinesische Diskussion darum: Repression und Diskussion. Eine Dokumentation
Zur Charta 08
Am 8. Dezember 2008 erschien eine von 308 chinesischen Dissidenten unterzeichnete Charta 08 mit der Forderung nach politischen Reformen und Demokratie im Internet, angelehnt an die Charta 77, die 1977 in der Tschechoslowakei von Dissidenten um Vaclav Havel veröffentlicht worden war. Stunden vor der Veröffentlichung wurde einer ihrer Hauptinitiatoren verhaftet, der Vorsitzende des chinesischen Pen-Clubs Liu Xiaobo.
Inzwischen haben laut
Presseberichten über 5.000 Menschen in China die Charta 08 mit vollem
Namen und Adresse unterschrieben. Wir machen eine von Prof. Dr. Jörg-M. Rudolph (Ostasieninstitut der Fachhochschule Ludwigshafen) besorgte Übersetzung der Charta
(zur besseren Lesbarkeit unten ohne den chinesischen Text) zugänglich.
Unter
chinesischen Intellektuellen hat sich eine Debatte über die Charta und
die Begleitumstände entwickelt, aus der wir drei kritische Beiträge aus
dem Englischen bzw. Chinesischen auf Deutsch übersetzt veröffentlichen:
Au Loong Yu arbeitet für die Organisation Globalization Monitor in Hong
Kong, Qin Hui ist Professor für Geschichte am Institut für Geistes- und
Sozialwissenschaften der Tsinghua-Universität in Beijing und gilt als
angesehener, linksliberaler Intellektueller. Den Beitrag von Zheng
Zhaxi, eines in den USA lebenden links-nationalistischen chinesischen
Dissidenten, haben wir der als maoistisch charakterisierten website Utopia
entnommen. Die beiden ersten Autoren kritisieren ausdrücklich auch die
Repression gegen die Verfasser der Charta 08, auch wenn sie sie nicht
unterzeichnen würden.
Wir hoffen,
dass die Beiträge zur Diskussion und zu Fragen anregen, die wir auch an
unsere chinesischen Partner weitergeben können ....
-
Charta dokumentiert Die Charta 08 in deutscher Übersetzung,
wie oben angeführt.
-
versucht Au Loong Yu vom Globalization Monitor in Hongkong eine
differenzierte Betrachtung - unter Betonung der Haltung, dass niemand
wegen seiner Meinung wie ein Krimineller behandelt werden darf: Die
Forderung nach demokratischen Rechten wird unterstützt, auch weil dies
der einzige Weg ist, wie die Werktätigen ihre Interessen durchsetzen
können; die von der Charta erhobene forderung nach Schutz und
Entwicklung des Privateigentums aber mache sie zu einem Instrument der
Privatisierung. Die Gewinner dabei aber brauchen die Charta nicht, das
ist das Dilemma der Autoren.
- "Ich stimme nicht mit den Ansichten überein, aber unterstütze entschlossen das Recht, diese zu äußern"
Das ist einer der Kernsätze im "Kommentar zur Charta 08"
von Professor Qin Hui vom März 2009. Der Beijinger Professor ist eine
der landesweit bekanntesten Persönlichkeiten, die als kritisch gelten.
Sein Ansatz ist neben der Verteidigung der Meinungsfreiheit der
Vergleich mit der tschechoslowakischen Charta 77. Und einen zentralen
Punkt macht er dabei deutlich: Dass er die Charta nicht unterzeichnet
hat, unter anderem eben weil sie die sozialen Probleme breiter Teile
der Bevölkerung ignoriert, wobei er die Forderung nach demokratischen
Rechten teilt - und versucht, sie historisch einzuordnen.
- Agenten des Imperialismus?
Die heftigste Kritik an der Charta übt, in dem Beitrag "Die Hintergründe zur Entstehung der Charta 08"
der Autor Zheng Zhao Xi von der Webseite New Left Utopia. Der in den
USA lebende Autor (wo auch einige der Unterzeichner der Charta leben)
versteht sich als den Mao Zedong - Gedanken verpflichtet, und
verteidigt die "Unabhängigkeit der chinesischen Nation". Sein Versuch
geht davon aus, Zustände in China mit der aktuellen kapitalistischen
Krise zu kontrastieren, speziell logischerweise mit den Verhältnissen
in den USA.
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Das erste Update vom März 2009:
Die Krise in China und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen
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- Wer trägt die Last der Krise auch in China?
"Während
es Monate oder sogar Jahre dauern könnte, diese Theorien zu
verifizieren, steht die Existenz Hunderter Millionen ArbeiterInnen auf
dem Spiel. Arbeitslosigkeit, furchtbare Arbeitsbedingungen und
gesellschaftliche Instabilität werden immer drängender, und so wird die
Regierung an ihrer Bearbeitung dieser Probleme messen lassen müssen,
wie es um ihre Fähigkeit zum Krisenmanagement bestellt ist und ob die
eingeschlagene Richtung für die langfristige Entwicklung die richtige
ist. Mit diesem Artikel möchte ich die Auswirkungen der Krise
skizzieren. Mein Augenmerk richtet sich vor allem auf
Arbeitsplatzverluste und sinkende Löhne, auf die Gestaltung der
Arbeitsverhältnisse sowie auf die Versuche der Regierung, für
Stabilität zu sorgen" - so skizziert die Autorin des Artikels "Auswirkungen der Finanzkrise auf Arbeitsbedingungen in China"
Staphany Wong einleitend ihre Absichten mit dem Beitrag, den sie im März 2009 aktualisiert hat.
- Ländliche ArbeitsmigrantInnen - eine Manövriermasse
"Tausende
WanderarbeiterInnen haben erleben müssen, wie ihre Arbeitgeber
verschwinden, ohne ihnen die ausstehenden Löhne zu bezahlen. Sie müssen
darum kämpfen, wenigstens einen Teil der Löhne noch zu bekommen.
Straßenblockaden und Demonstrationen sind kein seltenes Bild. Wenn ihre
Aktionen groß genug sind, gelingt es den ArbeiterInnen häufig, die
lokalen Behörden dazu zu zwingen, ihnen zumindest genug für die
Heimreise in ihre Dörfer zu bezahlen. Damit kommen die Behörden
allerdings nicht nur den Forderungen der Beschäftigten nach, sondern
handeln auch zum eigenen Vorteil: Schließlich ist es viel sicherer, die
WanderarbeiterInnen nach Hause zu schicken, als ganze Reservearmeen
arbeitsloser und mittelloser Menschen in den Städten zu behalten. Schon
zu Beginn des ökonomischen Abschwungs hatten die Zentralregierung sowie
die Provinzregierungen hastig angekündigt, ökonomische Anreize schaffen
zu wollen, um die entlassenen WanderarbeiterInnen dazu zu bewegen, nach
Hause zurückzukehren und auf ihren kleinen Parzellen Landbau zu
betreiben oder kleine Unternehmen zu gründen" - so beginnt der Artikel "ArbeiterInnen als verfügbare Masse — Chinesische Beschäftigung im wirtschaftlichen Abschwung"
von Au Loong Yu vom 5. Januar 2009, der mit seinen Ausführungen das
chinesische Wirtschaftsmodell insgesamt einer Kritik unterzieht.
- Regulierung für ein starkes China?
"Wir
müssen im Kontext der gegenwärtigen Knappheit, den Fokus der
Kapitaleinlagen auf den Aufbau von Anlagen zur Modernisierung
einsetzen, unter anderem für ausreichende Sicherheitseinrichtungen in
Bergwerken, damit die Bergleute unter besseren Bedingungen eine höhere
Produktivität erreichen können. Wenn man das Wirtschaftswachstum Chinas
auf über 10% halten kann, können diese Bergwerke eine ausreichende
Kohleversorgung ohne Schwankungen hinsichtlich des Kohlepreises
gewährleisten. Einhergehend mit Chinas Aufstieg zu einer der größten
Wirtschaftsmächte der Welt, sollte China die stärkste Armee der Welt
haben. Durch die radikalen Veränderungen der letzten zweihundert Jahre
wurde sie ununterbrochen „geschlagen". Die chinesische Armee sollte die
beste Ausrüstung der Welt bekommen, und diese Ausrüstung sollte aus
chinesischer Forschung und chinesischer Produktion kommen" - so ist es unter anderem in dem ganz anders gerichteten Beitrag "Krise oder Chance"
vom November 2008 zu lesen, verfasst von Zuo Dapei, Professor an der
chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften. Diesen Beitrag
dokumentieren wir gekürzt, in der Bearbeitung des chinesischen
Herausgeberkreises von "Arbeitswelten-Infoexchange", die dazu darauf
hinweisen, Dapeis Auffassung, durch eine nationalistische
Witrschaftspolitik China vor der globalen Krise zu schützen, werde vor
allem in Behörden und in den Leitungen staatseigener Betriebe
vertreten.

