Proteste und Arbeitskämpfe in den Veröffentlichungen des Yesterday-Infokanals und des Hongkong Labour Monitors
Zusammenfassung der Massenwiderstandsaktionen in China – März 2026
Im März 2026 veröffentlichte das „Yesterday“-Projekt insgesamt 76 Widerstandsaktionen, die sich in ganz China ereigneten. Im Mittelpunkt standen in diesem Monat Lufeng und Xinyi in der Provinz Guangdong sowie Wuhan in der Provinz Hubei. In Lufeng gingen über 10.000 Bürger auf die Straße, um gegen das „Feuerwerksverbot“ der Behörden zu protestieren. In Xinyi starteten mutige Dorfbewohner mehrtägige Proteste gegen den Bau eines Krematoriums in der Nähe ihres Dorfes, was zu zwei gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei führte. Im Bezirk Jiangxia in Wuhan demonstrierten Hunderte von Bürgern wiederholt gegen umweltverschmutzende Fabriken; währenddessen rissen in der nahegelegenen Neustadt Zuoling Tausende von Bewohnern über Nacht die Mautschranken in sechs Wohnanlagen nieder und zwangen die Hausverwaltung, auf die Gebühren zu verzichten.
I. Zusammensetzung der protestierenden Gruppen (Gesamt: 76)
- Bauern: 16 Fälle (21,1 %) —— Die Kerngruppe in diesem Monat
- Eigentümer [Eigentumswohnungen]: 10 Fälle (13,2 %)
- Arbeiter in der Fertigung: 9 Fälle (11,8 %)
- Petitionäre: 6 Fälle (7,9 %)
- Angehörige von Verstorbenen/Patienten: 6 Fälle (7,9 %)
- Investoren [Wohneigentum]: 4 Fälle (5,3 %)
- Gläubige/Teilnehmer an Volksbräuchen: 3 Fälle (3,9 %) —— Fälle aus Lufeng und Xinyi
- [Straßen-]Händler: 5 Fälle (6,6 %)
- Sonstige Gruppen: 17 Fälle (22,4 %) —— Darunter Eltern, Müllwerker, Fahrer, Lehrer, Einleger usw.
II. Geografische Verteilung (wichtigste Provinzen)
- Guangdong: 16 Fälle (Lufeng, Xinyi, Shenzhen, Guangzhou usw.)
- Peking: 7 Fälle (vorwiegend in der Nähe des Büros für Briefe und Besuche)
- Sichuan: 6 Fälle
- Jiangsu: 6 Fälle
- Hebei: 6 Fälle
- Hainan: 5 Fälle
- Fujian: 4 Fälle
- Hubei: 4 Fälle (alle in Wuhan)
- Yunnan / Shaanxi / Innere Mongolei: jeweils 3 Fälle
- Andere Regionen: insgesamt 13 Fälle (Shanxi, Henan, Jiangxi, Shandong usw.)
III. Verteilung der Hauptursachen
- Zwangsabriss & Landenteignung: 12 Fälle (15,8 %)
- Arbeitskonflikte/ausgebliebene Löhne: 8 Fälle (10,5 %)
- Umweltverschmutzung & -beeinträchtigung: 5 Fälle (6,6 %) —— Krematorien, Batteriefabriken
- Fabrikschließungen/Standortverlagerungen ohne Entschädigung: 6 Fälle (7,9 %)
- Behandlungsfehler [Gesundheitswesen]: 5 Fälle (6,6 %)
- Investitionsbetrug: 4 Fälle (5,3 %)
- Volksbräuche/religiöse Einschränkungen: 4 Fälle (5,3 %) —— Feuerwerksverbote usw.
- Willkürliche Gebühren: 4 Fälle (5,3 %)
- Konflikte mit Chengguan (Stadtverwaltung): 3 Fälle (3,9 %)
- Sonstige Ursachen: 25 Fälle (32,9 %) —— Unfertige Gebäude (Lanweilou), Polizeigewalt, Lebensmittelsicherheit, Wahlbetrug usw.
IV. Statistik nach Umfang der Veranstaltung
- 1 – 9 Personen: 12 Fälle
- 10 – 99 Personen: 33 Fälle
- 100 – 999 Personen: 25 Fälle
- 1.000 – 9.999 Personen: 5 Fälle
- 10.000+ Personen: 1 Fall (Massenprotest in Lufeng)
Spielzeuggigant Wah Shing schließt vier Fabriken in Guangxi an einem Tag; 5.000 Arbeiter demonstrieren für Entschädigung
Am 20. April 2026 – dem ersten Arbeitstag nach dem „Dritt-März“-Feiertag in Guangxi – gaben vier Fabriken des Hongkonger Spielzeugherstellers Wah Shing Toys in Guangxi gleichzeitig ihre Schließung bekannt: Rongxian Huayao Toy Manufacturing Co., Ltd., Beiliu Wah Shing Yingfeng Toy Manufacturing Co., Ltd., Beiliu Wanfeng Toys Co., Ltd. und Beiliu Chuangfeng Plastic & Electronics Co., Ltd. Fast zehntausend Arbeiter wurden über Nacht arbeitslos. Zwei Tage lang protestierten die Arbeiter und forderten die vollständige Auszahlung der ausstehenden Löhne sowie die gesetzlich vorgeschriebene Abfindung, doch bis zum Nachmittag des 22. April waren keine wesentlichen Fortschritte erzielt worden. (...)
Wah Shing Toys wurde 1976 in Hongkong gegründet und errichtete 1981 die ersten Fabriken auf dem chinesischen Festland. Über mehr als vier Jahrzehnte hinweg eröffnete das Unternehmen 11 Fabriken in Guangdong, Guangxi und Vietnam mit einer Gesamtfläche von über zwei Millionen Quadratmetern und rund zwanzigtausend Beschäftigten und zählte damit zu den weltweit größten Auftragsfertigern für Spielzeug. In den letzten Jahren jedoch, als sich das Handelsumfeld verschlechterte und die Aufträge weiter zurückgingen, schrieb Wah Shing tatsächlich Jahr für Jahr Verluste. Ende 2025 schloss die Changrong Toy Factory in Dongguan (...). Damals weigerte sich das Unternehmen, den Arbeitern die gesetzlich vorgeschriebene Abfindung in voller Höhe zu zahlen, was tagelange Proteste auslöste (...) . Der Fall Changrong diente den Arbeitern in Guangxi als eindringliche Warnung: Auf einem Arbeitsmarkt, der immer weiter schrumpft, ist es nach der Schließung einer Fabrik nahezu unmöglich, wieder eine vergleichbare Arbeit zu finden. Auf die Straße zu gehen war die einzige verbleibende Option – um für ein gerechtes Ergebnis zu kämpfen. (...)
Am Morgen des 21. April starteten rund 5.000 Arbeiter aus drei der vier Fabriken – alle außer Wanfeng Toys – separate Protestaktionen. Bei Rongxian Huayao und Beiliu Yingfeng blockierten die Arbeiter die Straßen vor den Fabriken, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Einige Arbeiter bei Yingfeng kletterten zudem auf das Fabrikdach und entrollten drei große Transparente. Bei Beiliu Chuangfeng versammelten sich die Arbeiter und hängten vor der Fabrik Transparente mit der Aufschrift auf: „Wir haben unsere Jugend Wah Shing geopfgert (...). Zahlt uns, was ihr uns schuldet.“ Sowohl in Beiliu als auch in Rongxian setzten die Behörden Polizeikräfte ein, um die Demonstranten zu zerstreuen (...). Am 22. setzten die Arbeiter ihre Demonstrationen fort. Berichten zufolge soll ein Vizebürgermeister der Stadt Yulin zur Vermittlung eingeschritten sein (...).
Da Chinas Wirtschaft ihren anhaltenden Abschwung fortsetzt, schließen landesweit eine Fabrik nach der anderen. Und diejenigen, die den größten Preis dafür zahlen, sind immer die einfachen Arbeiter am Fließband.
Im April 2026 veröffentlichte das Projekt „Yesterday“ insgesamt 74 Vorfälle kollektiven Widerstands, die sich in China ereignet hatten. In diesem Monat machten Aktionen zum Schutz der Arbeitnehmerrechte einen bedeutenden Anteil aus, insbesondere in Bereichen wie Lohnrückständen, Kürzungen von Fahrtkosten und Altersvorsorge.
I. Zusammensetzung der Widerstandsgruppen (insgesamt 74 Vorfälle)
Verschiedene Arten von Angestellten und Arbeitern: 26 Vorfälle (35,1 %) – die Hauptkraft in diesem Monat
Aufschlüsselung:
- Arbeiter im verarbeitenden Gewerbe (8 Vorfälle)
- Transportwesen (Fahrer/Beifahrer 7 Vorfälle)
- Bildungswesen (Lehrer/Kindergärtner 7 Vorfälle)
- Medizinisches Personal/Mitarbeiter im Gesundheits- und Dienstleistungsbereich (4 Vorfälle)
- Angehörige von Verstorbenen: 6 Vorfälle (8,1 %)
- Landwirte: 6 Vorfälle (8,1 %)
- Petitionäre: 4 Vorfälle (5,4 %)
- Eigentümer von Wohnimmobilien: 4 Vorfälle (5,4 %)
- Andere Gruppen: 28 Vorfälle (37,9 %) – darunter Händler, Studenten, Veteranen, Einleger und Internetnutzer usw.
II. Verteilung nach Ort (wichtigste Provinzen)
- Guangxi / Hubei / Hebei / Guangdong: jeweils 6
- Peking / Chongqing / Zhejiang / Henan: jeweils 4
- Hunan / Sichuan / Shandong / Liaoning / Heilongjiang / Jiangsu / Fujian: jeweils 3
- Andere Regionen: insgesamt 11
III. Verteilung der auslösenden Ursachen
- Arbeit-Kapital-Konflikte und soziale Sicherheit: 22 Vorfälle (29,7 %) – die Hauptursache für den Großteil des Widerstands der Arbeitnehmer
Konkrete Beispiele sind: Lohnrückstände, verspätete Rentenzahlungen, mangelnde Alterssicherung, Entlassungen/Fabrikverlagerungen ohne Entschädigung, gekürzte Fahrtkosten, Lohnabzüge usw. - Missbrauch öffentlicher Gewalt (Stadtverwaltung/Verkehrspolizei): 6 Vorfälle (8,1 %) – darunter Konflikte aufgrund der Beschlagnahmung von E-Bikes von Lieferfahrern.
- Zwangsenteignungen und Zwangsräumungen: 6 Vorfälle (8,1 %)
Unfälle im Zusammenhang mit medizinischer/pädagogischer Haftung: 4 Vorfälle (5,4 %) - Sonstige Ursachen: 36 Vorfälle (48,7 %) – darunter das Abfangen von Petitionsstellern, unfertige Gebäude, Umweltschäden, Finanzbetrug und Einschränkungen der Meinungsfreiheit.
IV. Statistiken zum Umfang
- 1–9 Personen: 25 Vorfälle
- 10–99 Personen: 21 Vorfälle
- 100–999 Personen: 25 Vorfälle (einschließlich Streik der Lieferfahrer in Chongqing, kollektive Lohnforderungen von Arbeitnehmern an mehreren Orten)
- 1.000–9.999 Personen: 3 Vorfälle
V. Polizeieinsätze
- Polizeipräsenz: 22 Vorfälle (Präsenzquote ca. 29,7 %)
- Explizite Unterdrückung/Festnahmen: 6 Vorfälle (Anteil ca. 8,1 %)
yesterday 3.5.2026
Aus dem Hongkong Labour Rights Mointor
Die Lage der Beschäftigten in Hongkong 2025: Der Kollaps der Arbeiterrechte in Hongkong
Unser aktueller Bericht zeigt einen strukturellen Zusammenbruch der Arbeitsrechte in Hongkong auf. Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder ist unter politischem Druck um 160.000 eingebrochen, während drakonische administrative Kontrollen – darunter Überwachung und Schikanen ohne richterliche Anordnung – unabhängige Stimmen unterdrücken. In Verbindung mit einem massiven Zustrom von 120.000 schutzlosen Wanderarbeitern wird die Verhandlungsmacht der Arbeiter systematisch ausgehöhlt. Wie überstehen die Arbeitnehmerrechte diesen doppelten politischen und wirtschaftlichen Druck?
- Mann aus Hongkong wegen aufrührerischer Äußerungen auf Facebook zu einem Jahr Haft verurteilt. Bericht bei HK FreePress
- Hongkonger Presseverband nach Berichten über Stalking eines Journalisten vom Sicherheitsbüro scharf kritisiert. mehr
- Hongkonger Buchhändler wegen informeller Kursreihe für Spanien-Interessierte zu 32.000 HK$ Geldstrafe verurteilt. mehr
- Alle Restaurantlizenzen in Hongkong sollen bis September Klauseln zur nationalen Sicherheit enthalten. HKFreePress
Der schrumpfende Handlungsspielraum für Arbeiter: Hongkongs Gewerkschaften sehen sich im Zuge der Reform des Nationalen Sicherheitsgesetzes mit einem „abschreckenden Effekt“ konfrontiert
Die formelle Streichung der Gewerkschaft der Lehrkräfte aus dem offiziellen Register bedeutet weit mehr als nur das Ende einer fünfzig Jahre alten Institution; sie stellt einen düsteren Meilenstein im raschen Zerfall der Zivilgesellschaft Hongkongs dar. Seit der Umsetzung umfassender Änderungen der Gewerkschaftsverordnung hat sich das Umfeld für Tarifverhandlungen und Arbeitnehmervertretung von einem lebendigen Ökosystem zu einem Schauplatz tiefgreifender staatlicher Eingriffe gewandelt. Nach den neuesten Zahlen des Arbeitsministeriums ist der Vereinigungsgeist so gut wie zum Erliegen gekommen: Im Jahr 2025 wurden nur fünf neue Gewerkschaften registriert – ein Zwölf-Jahres-Tief, das auf eine fast vollständige Lähmung der Basisorganisation hindeutet.
Dieser Rückgang stellt eine erschütternde Kehrtwende gegenüber dem „Gewerkschaftsboom“ von 2021 dar, als die Stadt einen Rekord von 1.527 registrierten Organisationen verzeichnete. In den Jahren seitdem sind fast zehn Prozent dieser Organisationen verschwunden. (...)
Trotz der vorherrschenden Atmosphäre der Angst bleibt der Geist der Basisorganisation vor Ort in den Worten derer verankert, die derzeit vom Staat zum Schweigen gebracht werden. Aus seiner Gefängniszelle, in der er seit über 1.500 Tagen wegen „Anstiftung zur Subversion“ inhaftiert ist, bleibt der erfahrene Gewerkschaftsführer Lee Cheuk-yan ein Symbol dieser schwindenden Ära. In einer früheren Ansprache vor Gericht erklärte er: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir soziale Ungerechtigkeit nur durch die kollektive Stärke der Arbeiter und die Organisation unabhängiger Gewerkschaften überwinden und unser Schicksal ändern können.“ Während sich die rechtlichen Rahmenbedingungen der Stadt weiter verschärfen, wird der Glaube, dass Gewerkschaften als letzte Bastion für die Schwachen dienen, in der modernen Geschichte Hongkongs wie nie zuvor auf die Probe gestellt.
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