Moving Images
Kann gebucht werden: China von unten - Filme aus einem unruhigen Land

Im Rahmen der "China und wir" Konferenz an der Universität zu Köln wurde das "China von unten" Filmprogramm gezeigt.
Das positive Echo auf das Programm mit ungewöhnlichen Bildern aus China sorgte für die Idee, es auch anderswo zu zeigen.
Nach einer Überarbeitung präsentierte das Forum Arbeitswelten am 28.6. das moderierte Filmprogramm im Endstation Kino im Kulturbahnhof Bochum Langendreer.
Es handelt sich meist um Ausschnitte aus unabhängig produzierten Filmen, die die Sehnsüchte, den Alltag, Kritik und Kämpfe der Menschen zeigen. Es sind Bruchstücke, die kein vollständiges Bild vom Leben in dem riesigen Land geben können und wollen. Interviews, Jugendkultur, Proteste, Musik und Streiks kommen in diesem Programm auf die Leinwand.

Die Basis der Filmzusammenstellung ist ein Programm, das bereits vor vielen Jahren für eine Chinesische Wirtschaftsmesse (China Time Hamburg) und eine Tournee mit den Filmemachern durch Norddeutschland zusammengestellt worden ist. Das aktuelle Programm zeigt stark gekürzte Versionen dieser Werke.
Das ursprüngliche Programm hieß CHINA UNDERGROUND – der kritische Blick von unten und wurde viel zu selten aufgeführt.

Die aktuelle Zusammenstellung sieht wie folgt aus:
- Confusionism - Bilder der Konfusion bei dem 1. Chinabesuch
- Independent China - Doku über die unabhängige Filmszene in China bei ARTE
- Der Nagel - Doku über Chinas berühmteste Hausbesetzung in Chongqing
- Going to the City - Eine TV Serie über die Geschichte der Wanderarbeiter in China

- Shamate "We Were Smart" - Trailer zur preisgekrönten Doku über die Subkultur junger chinesischer Wanderarbeiter
- My Body is controlled by You - TV-Doku über das erste männliche Nacktmodell in China
- Black Pig - White Pig - Ein düsterer Zeichentrick-Kurzfilm über Herrschaft, Revolution und sich korrumpierende Macht
- Interviews rund um Nationalismus in China - Kurze Interviews mit Chinesischen Akrivist:innen während einer Rundreise des Forum Arbeitswelten
- Universitäts City - Doku über den Widerstand von Bauern gegen die Verdrängung durch ein Bauprojekt von Großinvestoren am Rande von Guangzhou
Es gibt die Möglichkeit ein paar der Filme sich kostenlos im Internet in voller Länge anzusehen.
Die 8 minütige Arte Doku von Karsten Weber über die unabhängige Filmszene Chinas kann man sich bei Vimeo ansehen.
"Shamate - We were smart" wurde bereits vor einiger Zeit in diesem Blog besprochen. Den 3 min Trailer gibt es hier, jedoch die abendfüllende Version ist nicht mehr kostenfrei zu erreichen, das Angebot des Magazins RADII war zeitlich begrenzt.
University City Savages kann in voller länge (1:28 min) mit deutschen Untertiteln via Youtube angesehen werden. Die Filmemacherin hat das Land Hals über Kopf verlassen, um einer Verhaftung zu entgehen. Die Polizei wartete bereits in dem Café, in dem sie den Film zeigen wollte. Heute lebt sie in Ely in der Nähe von Cambridge und arbeitet als Autorin und Journalistin. Ihre Bücher werden in China vertrieben.

Aus dem Publikum wurde das Filmprogramm kommentiert als Dokument einer anderen Zeit, einer Zeit vor Xi Jinping, vor der Repressionswelle und der KI-gestützten Überwachung. Man könnte eine Friedhofsruhe angesichts der massiv ausgebauten Überwachungsmethoden vermuten, doch es trifft nicht zu. In der Bevölkerung schwelt eine Unzufriedenheit, die zu Protesten, Arbeitsniederlegungen bis hin zu militanten Auseinandersetzungen führt. Die Bilder dieses Filmprogramms ähneln denen, die sich heute abspielen und sich in den chinesichen Sozialen Medien verbreiten. Hier ist ein 13 minütiger Zusammenschnitt von den wichtigsten Protesten 2025 und dies ist eine aktuelle Kurzdoku über Umweltproteste in Hefei vor wenigen Wochen, an denen sich mehrere Tausend Menschen beiteiligten.
Die Zeit reichte bei den Veranstaltungen nicht mehr, um noch Ausflüge in die Jugendsubkulturen und die Popkultur zu machen. Hier nun ein paar Infos zu den Themen, die bei den Screenings unter den Tisch gefallen sind.
Punk Rock existiert in China schon seit vielen Jahren. So manche Live-Bar rühmt sich damit, die Geburtsstätte des chinesischen Punks zu sein. Es gibt regional verschiedene Strömungen und Spielarten. Die Wuhan Punks halten sich für die einzig wahren Punks und verachten die Punker aus Peking, die sie als verkleidete Bürgerkinder bezeichnen, während man in Wuhan die proletarischen Wurzeln hochhält. Ihre Songs haben oftmals politische Inhalte, musikalisch folgen sie relativ stark britischen Vorbildern. Zu ihren Späßen gehört es, nackt durch die Straßen zu laufen ohne verhaftet zu werden. Klappt nicht immer: One Night In Prison:
Und hier geht es auf politischen Konfrontationskurs:
HipHop gibt es auch schon eine ganze Weile. GOSH x SUP aus Chongqing waren bereits recht früh bekannt. Sie spielen gern mit chinesischen Klischees und bedienen sich bei Comics, Abenteuer- und Kung Fu Filmen. Sie sind auch in Taiwan populär. Hier besingen sie ihre Heimatstadt, die Megacity Chongqing, "Ich trage den Jiefangbei-Gedenkstein auf dem Rücken, fülle meinen Magen mit Wasser aus dem Jialing-Fluss und atme den ganzen Nebel von Chongqing ein. Und trotzdem werde ich vom Jiangxiaobai-Schnaps nie betrunken."
Aus dem gleichen Umfeld kommt der nächste Song: SUP und C-Block bewegen sich durch die leerstehenden Mietskasernen, die modernen Wohnhochhäusern weichen sollen und fordern: Power to the People!
Hip Hop ist schnell populär geworden. Die Rapperszene ist jedoch nicht homogen und nicht automatisch gesellschaftskritisch. Es gibt nationalistischen Hip Hop, der die Kraft des aufstrebenden Landes besingt und Bilder von Kampfflugzeugen, Flugzeugträgern und Kriegsschiffen in ihren Videos nutzt. Die Chinesische Regierung verhilft solchen Musikern zu einer steilen Karriere, sie können in riesigen Hallen auftreten und erreichen mit ihren TV-Auftritten ein Millionenpublikum.
Das Programm sucht weiterhin ein Publikum. Die Filme werden mit einer Moderation präsentiert. Das Filmprogramm kann bei karsten@forumarbeitswelten.de gebucht werden.
