Tierschutz und die Wang-Wang-Kampagne
Eine Protestwelle mit professioneller Unterstützung

Wikipedia beschreibt den Fall "Wang Wang" wie folgt:
Am 28. Juni 2026 töteten fünf Jungen unter 14 Jahren im Dorf Pingpu in der Gemeinde Xinheng in Jieyang, Guangdong, China, eine streunende Hündin – weithin bekannt als Wang Wang (旺旺) – und ihre drei Welpen, indem sie die Welpen zu Tode prügelten und die Mutterhündin in Brand setzten. Die Jungen filmten die Misshandlung, und das Filmmaterial verbreitete sich rasch in den chinesischen sozialen Medien und später auch auf Plattformen im Ausland, was eine breite öffentliche Empörung auslöste.
(....) Auf dem chinesischen Festland gibt es keine landesweiten Gesetze gegen Tierquälerei, obwohl einige Städte und Provinzen lokale Vorschriften erlassen haben. (...) Nach dem Vorfall engagierten sich Internetnutzer in ganz China online, veröffentlichten Aufklärungsinhalte auf Social-Media-Plattformen wie Xiaohongshu und Douyin und bildeten private Chatgruppen, um den Fall zu diskutieren und Forderungen nach Tierschutzgesetzen zu organisieren. Diese Online-Aktivitäten stießen jedoch auf strenge Zensur: Die Plattformen löschten Beiträge umgehend, drosselten den Datenverkehr und sperrten Nutzerkonten. (...)

Die BBC berichtete:
Von der Zensur blockiert, verlagern Chinas Tierfreunde ihren Kampf gegen Tiermisshandlung ins Internet und ins Ausland
(...) In diesem Fall beriefen sich die Behörden jedoch auf das Alter der Jungen, als sie die Bevölkerung dazu aufforderten, sich mit Kommentaren zurückzuhalten, und Beiträge in den sozialen Medien zu dem Vorfall löschten.
„Wir fordern die Öffentlichkeit auf, keine entsprechenden Informationen zu verbreiten, Cybermobbing abzulehnen und gemeinsam ein gutes Umfeld für das Heranwachsen von Minderjährigen zu schaffen“, heißt es in einer offiziellen Erklärung.
Doch die Einschränkungen schienen die Empörung nur noch weiter anzuheizen. Chinas Tierfreunde haben ihren Kampf nun offline und ins Ausland verlagert und sogar Werbetafeln in New York aufgestellt, um Unterstützung zu gewinnen. (...)
Die Behörden in Jieyang teilten letzten Monat mit, dass die Jungen in eine „Sonderschule“ geschickt würden, gingen jedoch nicht näher darauf ein. Nach chinesischem Recht sind Minderjährige unter 16 Jahren nicht strafrechtlich verantwortlich, außer bei schweren Straftaten wie Mord und Vergewaltigung. (...)
Es ist schwer zu sagen, warum gerade dieses Thema – von all den sensiblen Themen, die in China zensiert werden – einen solchen Widerstand ausgelöst hat. (...)
Am Times Square in New York City, einer der verkehrsreichsten Fußgängerkreuzungen der Welt, erscheinen alle 35 Minuten Fotos von Wang Wang auf einem riesigen digitalen Bildschirm. (...) Ähnliche Plakate wurden an einem Gebäude in der Nähe des Taipei 101 angebracht, einem ikonischen 101-stöckigen Wolkenkratzer in Taiwan. (...)
Einwohner von Hongkong und Macau haben Spenden gesammelt, um Plakate in Bussen und Zügen anzubringen.
Auf dem chinesischen Festland geht die Debatte weiter, wobei sich ein Großteil der Diskussion darauf konzentriert, das Bewusstsein zu schärfen, um Gesetze gegen Tierquälerei zu fordern. (...)
BBC 23.7.2026

Der Yesterday-Kanal berichtet:
Unseren Statistiken zufolge hat sich der durch den Fall von Tierquälerei in Jieyang ausgelöste „Wang-Wang-Sturm“ bis zum 19. Juli bereits auf alle Provinzen und direkt verwalteten Städte Chinas ausgeweitet.
Der statistische Bezugspunkt sind Großbildprojektionen mit entsprechenden Inhalten; berücksichtigt man darüber hinaus Formen wie das Hochhalten von Schildern, Auto-Logos, Offline-Werbung an Straßenständen, bei Konzerten, Bungee-Jumping, Tauchen, Online-Beiträge und Ähnliches, so dürfte es sein, dass fast jede Stadt auf Präfekturebene davon betroffen ist. Wir werden dies in dem gerade entstehendem Dokumentarfilm ausführlich darstellen.

Anmerkung: Das zunehmende Interesse für Tierschutz ist in China schon länger zu beobachten. Die Bilder von der Qual und Tötung der Hunde sind schwer zu ertragen. Doch die emotionelle Welle, die dieses Video auslöste, hinterläßt gemischte Gefühle. Diese mit kitschigen Bildern getragene Kampagne erscheint angesichts der vielfältigen Probleme im Land (auch in Bezug auf dasTierwohl) überzogen und die professionelle und kommerzielle Unterstützung der Kampagne wirft Fragen auf. Einheimische Unternehmen wie die Kosmetikmarke Amortals und das Streetwear-Label Wah Yan Ching Nin haben zudem landesweit Anzeigen vor Einkaufszentren geschaltet, in denen sie ein Ende der Tierquälerei fordern. Gleichzeitig werden die Heranwachsenden, die ihre sadistischen Taten gefilmt und veröffentlicht haben, Ziel für kollektiven Haß. Die Behörden können für einen Teil der Öffentlichkeit nicht hart genug vorgehen, man wünscht ihren Tod. Es kursieren Portraitbilder der jugendlichen Täter mit der Bildunterschrift, "Wanted, dead or alive!"

