July 29, 2022

Tod eines Kurierfahrers in Hongkong

Uns erreichten folgende Schreiben der Riders' Rights Concern Group Hong Kong

Tod eines Kurierfahrers in Hongkong

Foodpanda-Lieferfahrer starb bei Verkehrsunfall; wir fordern Lieferplattformen auf, den Schutz vor Arbeitsunfällen zu verbessern

Am 26. Juli gegen 8 Uhr morgens stieß das Motorrad eines foodpanda-Lieferfahrers in Sau Mau Ping mit einem Bus zusammen. Der Fahrer ist bei dem Unfall ums Leben gekommen.

Foodpanda hat der Familie des verstorbenen Fahrers erst 9 Stunden nach dem Unfall relevante Informationen mitgeteilt und wurde dabei von den Medien unter Druck gesetzt. Das Unternehmen sagt, dass es der Familie des Opfers "aus Mitgefühl" nur einen kleinen Betrag auszahlen wird, da der Unfall nicht während einer Schicht passiert ist. (...) foodpanda hat sich jedoch erst einen halben Tag später mit der Familie in Verbindung gesetzt und es damit an grundlegendem Mitgefühl für den Fahrer fehlen lassen. Die Zahl der Arbeitsunfälle und Todesfälle in der Lebensmittellieferbranche ist erschreckend hoch, und die Plattformen verzögern in der Regel die Information der Familienangehörigen, als wenn sie nichts mit den Unfällen zu tun hätten.

Die Lieferplattformen betrachten ihre Kuriere stets als "Selbstständige" und nicht als Arbeiter, und sie halten sich nicht an die Arbeits- und Arbeitnehmerentschädigungsgesetze, wenn es um die Rechte der Fahrer geht. Obwohl foodpanda eine Unfallversicherung für Kuriere hat, ist die Höhe der Leistungen erschreckend niedrig und liegt unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Niveau einer Arbeitnehmerunfallversicherung. (...)

Schreiben an foodpanda:

Wir sind untröstlich, dass unser Kollege am 26. Juli bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Da einige von uns in der gleichen Gegend arbeiten, wissen wir, dass der Kollege sehr nett und fleißig war. Jeden Tag kam er früher zur Arbeit, weil foodpanda in letzter Zeit die Löhne gekürzt hatte und ihm bei den Auslieferungen immer mehr Strafzettel ausgestellt wurden.
Wir teilen die Trauer mit seiner Familie und hoffen, dass sie diese schwierige Zeit durchstehen kann. Was uns noch mehr schmerzt, ist, dass wir genau wissen, dass dasselbe jedem von uns passieren kann.
Wir rackern uns in der Sonne und im Regen ab, nur um über die Runden zu kommen. Aber wenn etwas passiert, wird die Versicherung mit einer so geringen Versicherungssumme nicht in der Lage sein, uns und unsere Familie zu unterstützen. Oder wir sind vielleicht nicht einmal versichert, wenn es nicht während einer Lieferung passiert. Oder foodpanda teilt unseren Familien erst einen halben Tag später mit, was passiert ist.
Was hat foodpanda also getan, um uns bei unserer Arbeit zu schützen? Was bekommen wir, wenn wir jeden Tag unser Leben riskieren?
Und es geht nicht nur um die Versicherung. Wir sind schneller unterwegs, weil foodpanda unseren Lohn kürzt und uns zwingt, mehr Aufträge zu erledigen. Wir arbeiten länger, weil foodpanda immer mehr Fahrer rekrutiert, so dass jeder von uns weniger Aufträge bekommt. Außerdem hilft foodpanda uns nicht bei der Parkplatzsuche und den Kosten. All das trägt zu den Risiken bei der Arbeitssicherheit bei. Das hängt alles zusammen.
Deshalb fordern wir, dass foodpanda
gegenüber der Familie des Opfers, allen foodpanda-Kurieren und der Öffentlichkeit Rechenschaft über den Unfall ablegt,
die Höhe der Leistungen zu erhöht und den Versicherungsschutz auszuweitet
alle Faktoren überprüft, die zu Risiken bei der Arbeitssicherheit führen, einschließlich Bezahlung, Kontrollmaßnahmen, App, usw.,
ein Treffen mit den Kurieren zu Sicherheits-, Unfall- und Versicherungsfragen durchführt,
mit den Behörden über Parkplätze zu kommuniziert und bestimmte Parkkosten übernimmt.

Anmerkung von Forum Arbeitswelten: foodpanda gehört zu Delivery Hero, einem börsennotierten Lieferdienst-Konzern, der in 70 Ländern aktiv ist und seinen Hauptsitz in Berlin hat.

Update vom 8.8.2022:

Zum Offenen Brief des Delivery Hero Riders United Netzwerks.