May 5, 2022

Das Zeitalter der Migration I

Teil 1: Inlandmigration und Migration nach China

Das Zeitalter der Migration I

Noch nie in der Menschheitsgeschichte gab es so große Wanderungsbewegungen wie in der heutigen Zeit. Migration war schon immer auch ein Motor von Kämpfen. In einer dreiteiligen Reihe blicken wir auf chinesische Migrationsbewegungen. Im ersten Teil geht es um Migration in und nach China.

Das Ausmaß der Binnenmigration in China nach wie vor weltweit unübertroffen: Bei der Volkszählung 2020 lebten fast 376 Millionen Menschen an einem anderen Ort als dem Ort, an dem ihr Haushalt registriert ist, eine Gruppe, die oft als "schwimmende Bevölkerung" bezeichnet wird. Die Masse der Arbeitskämpfe in China wird von den Inlandsmigranten getragen. Der Druck der Kämpfe hat zu zahlreichen Reformen des Hukou Systems [System der Haushaltsregistrierung] mit Verbesserungen der Lage auf dem Land registrierter Arbeitskräfte in den Städten geführt. Noch immer sind die Arbeiter mit ländlicher Registrierung den Städtern gegenüber benachteiligt.

Die Chinesische Regierung macht eine Migration von Menschen anderer Nationalität nach China sehr schwer. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen lebten 2017 etwa eine Million Ausländer in China. Viele der westlichen Migranten sind als Fachkräfte in den großen Bauprojekten oder internationalen Unternehmen beschäftigt, einige schlagen sich mit Jobs als Sprachlehrer durch. Ausländische Migranten in haben in der Regel einen temporären Status und sind keine langfristigen Einwanderer, da es nach wie vor sehr schwierig ist, eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung oder die chinesische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Unter den momentanen harten Lockdownregelungen gab es eine massive Ausreisewelle von Expats.

Die Situation in Hongkong ist eine andere. Es gibt aus Kolonialzeiten eine recht große Anzahl von Menschen aus UK und dem Commonwelth. Neben der ansehlichen indischenen und pakistanischen Community gibt es ca. 400.000 Hausangestellte aus dem ostasiatischen Raum, wie Indonesien und die Philippinen. Unter den Coronabedingugen wuchsen ihre Probleme. In dieser Gruppe kam es zu zahlreichen Protesten. Bei dem weltweit beachteten Streik der hongkonger "Riders" spielten Migranten aus dem arabischen Raum eine wichtige Rolle.

In China gibt es drei bedeutende Migrantengruppen. Afrikaner, Nordkoreaner und Burmesen. Die schwarzafrikanische Community befindet sich hauptsächlich in Guangzhou, wo sie auf einer Fläche von rund 10 km² eine "Africatown" geschaffen hat. Sie sind großteils im Handel tätig, auch im Straßenhandel und viele haben nach dem Ablauf ihrer Visa keinen legalen Aufenthaltsstatus. Die Coronapandemie verschärfte soziale Probleme und heizte auch rassistische Konflikte an.        

Die schwierige ökonomische und politische Situation, sowie die bürgerkriegsänlichen Verhältnisse in Myanmar treiben viele Menschen in die Emigration. In China werden sie oft Opfer extremer Ausbeutung.

Arbeitsmigranten aus Myanmar berichten von Razzien und Verhaftungen in einer chinesischen Fabrik

Chinesische Grenzpolizei an einem Übergang nach Myanmar
Die Behörden haben etwa 40 Wanderarbeiter ohne Papiere aus Myanmar in der ostchinesischen Provinz Shandong festgenommen, nachdem sie sich bei ihrer Botschaft über unbezahlte Zwangsarbeit in einer Meeresfrüchtefabrik beschwert hatten. 60 weitere arbeiten dort immer noch ohne Bezahlung, so einer der betroffenen Arbeiter gegenüber RFA.
Die 100 Arbeiter gehören zu einer Gruppe von etwa 230.000 Arbeitern, die aufgrund von bewaffneten Konflikten, Umweltzerstörung und Naturkatastrophen in Myanmar, der größten Migrantenquelle in der Mekong-Region, nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen Arbeit in China gesucht haben.
Migranten aus Myanmar, die in Fabriken, auf Baustellen, in landwirtschaftlichen Betrieben, Restaurants und als Haushaltshilfen in China arbeiten, ist es nicht erlaubt, in ihrem riesigen Nachbarland zu arbeiten, was sie anfällig für Missbräuche wie Zwangsarbeit, Lohndiebstahl, Menschenhandel, Erpressung und Schuldknechtschaft macht, wie Hilfsorganisationen berichten.

RFA 7.8.2021

China hält mindestens 400 Migranten aus Myanmar mehr als ein Jahr lang fest

Etwa 100 Gefangene werden gezwungen, ohne Bezahlung in einer Fabrik zu arbeiten, die möglicherweise die Polizei bestochen hat, so Quellen.
Arbeitsmigranten aus Myanmar werden in der Fischverarbeitungsfabrik der Nishi Haitai Group im Bezirk Wendeng, Weihai, Provinz Shandong, festgehalten.
Die Behörden in China haben mehr als 400 Wanderarbeiter aus Myanmar mehr als ein Jahr lang inhaftiert, weil sie illegal ins Land gekommen sind und ohne offizielle Papiere gearbeitet haben, berichteten freigelassene Migranten gegenüber RFA.
Etwa 300 der Migranten wurden in einem Gefängnis in der südlichen Küstenstadt Dongguan festgehalten, während der Rest in einer Fischfabrik in der Stadt Weihai in der Provinz Shandong festgehalten wird, einer Halbinsel, die östlich ins Gelbe Meer ragt.

RFA 17.11.2o21

Es gibt eine Menge illegaler Übertritte über die "grüne Grenze" von Nordkorea nach China, doch auch die Nordkoreanische Regierung schickt offiziell Arbeitskräfte, um Devisen zu erwirtschaften.

Um Flucht zu verhindern, konfisziert Nordkorea die Pässe von ins Ausland entsandten Funktionären

Die Beamten, die normalerweise das Vertrauen ihrer Vorgesetzten genießen, sitzen nun im selben Boot wie die Arbeiter in ihrem Zuständigkeitsbereich...
Nordkorea konfisziert jetzt die Pässe sowohl von Führungskräften als auch von im Ausland stationierten Arbeitern, um sie an der Flucht zu hindern, so Quellen in China und Russland gegenüber RFA.
Pjöngjang entsendet Heerscharen von Arbeitern nach Russland und China, die in Fabriken und auf Baustellen arbeiten, um Geld für den Staat zu verdienen. Die Arbeiter geben den Löwenanteil ihres Lohns an ihre nordkoreanischen Betreuer ab, die ihn an die Zentralregierung weiterleiten, aber der Rest ist immer noch mehr, als die Arbeiter jemals in ihrem Heimatland zu verdienen hoffen könnten.
Es ist üblich, die Pässe der Arbeiter zu konfiszieren, um ihnen die Flucht in ein Drittland zu erschweren. Doch nun müssen sogar die Manager der Arbeiter ihre Pässe an die örtliche nordkoreanische Botschaft oder das Konsulat übergeben, was darauf hindeutet, dass Pjöngjang befürchtet, dass auch sie versuchen könnten zu fliehen.

RFA 13.4.2022

Immer mehr nordkoreanische Arbeiter in China nehmen sich wegen der schwierigen Arbeitsbedingungen das Leben

Die nordkoreanischen Behörden sind sich der aktuellen Situation in China nicht bewusst und zwingen die Arbeiter weiterhin dazu, Devisen zu verdienen

Daily NK 21.3.2022

Nordkoreanische Arbeiter in China sind zu "Quasi- Gefangenen" geworden, die in ihren Wohnheimen und an ihren Arbeitsplätzen eingesperrt sind

Nordkoreanische Arbeiter haben traditionell 50 % ihres monatlichen Lohns als so genannte "Loyalitätszahlungen" an die Partei abgeführt, aber jetzt wird ihnen noch mehr Geld abgepresst

Daily NK 7.4.2022